Die gesetzliche Schonzeit endet am 30. September. Ab dem 1. Oktober dürfen Hecken, Gebüsche und Gehölze wieder auf den Stock gesetzt, stark eingekürzt oder entfernt werden. Das ist für viele Gärten die einzige Gelegenheit im Jahr, einen Rückstand aufzuholen — und sie dauert fünf Monate.
Warum der starke Schnitt in die Ruhezeit gehört
Ein Gehölz ohne Laub verliert beim Schnitt kaum Reserven: Die Nährstoffe sind zu diesem Zeitpunkt in Wurzel und Holz eingelagert, nicht in den Blättern. Dazu kommt, dass ohne Belaubung sichtbar wird, wie der Aufbau tatsächlich aussieht — welche Äste sich reiben, wo Zwiesel sitzen, wo die Hecke von innen verkahlt ist. Wer im Sommer schneidet, arbeitet an der Oberfläche.
Der Gegenspieler ist die Wundheilung. Sie läuft erst ab etwa 5 °C. Bei strengem Dauerfrost wird nicht geschnitten, weil das Holz dann spröde ist und ausreißt. Praktisch heißt das: frostfreie Tage im Oktober, November und ab Februar sind die besten Termine, Januar ist Glückssache.
Was in dieser Zeit sinnvoll ist
- Verkahlte Hecken verjüngen. Liguster, Hainbuche, Feldahorn, Eibe und Kirschlorbeer treiben aus altem Holz wieder aus. Ein Rückschnitt bis ins mehrjährige Holz ist genau jetzt möglich.
- Sommerblüher einkürzen. Was am diesjährigen Trieb blüht — Sommerflieder, Rispenhortensie, Blauraute, Spiersträucher — wird im Spätwinter stark zurückgenommen und blüht danach kräftiger.
- Aufastung und Lichtraum. Überhängende Äste über Wegen und Einfahrten gehören in diese Zeit, nicht in die Brutzeit.
- Totholz heraus. Bei Laubbäumen ohne Blätter am leichtesten zu erkennen.
Und was ausdrücklich nicht
Nicht jedes Gehölz verträgt den Wintertermin. Frühjahrsblüher wie Forsythie, Zierjohannisbeere, Ranunkelstrauch und Flieder haben ihre Knospen schon angelegt — wer sie jetzt schneidet, schneidet die Blüte weg. Sie kommen unmittelbar nach der Blüte dran. Kirsche, Pflaume und Walnuss bluten im Spätwinter stark und werden besser im Sommer geschnitten. Und Nadelgehölze außer Eibe treiben aus kahlem Holz nicht wieder aus: Was dort ins Braune geschnitten wird, bleibt braun.
Die Grenze zum Formschnitt
Der Unterschied ist keine Frage des Kalenders, sondern der Eingriffstiefe. Ein Formschnitt nimmt den Zuwachs des laufenden Jahres zurück und ist deshalb auch zwischen März und September erlaubt. Alles, was darüber hinausgeht — ins mehrjährige Holz, auf den Stock, halbe Höhe — ist ein Rückschnitt und gehört in die Ruhezeit. Wer unsicher ist: Steht nach dem Schnitt dieselbe Pflanze da, nur ordentlicher, war es ein Formschnitt.
Unabhängig davon gilt § 44 BNatSchG ganzjährig. Auch im Dezember darf kein Winterquartier zerstört werden — Igel unter Reisighaufen, Fledermäuse in Stammhöhlen, Vögel in dichten Immergrünen. Ein Blick hinein gehört vor jeden Ansatz.
Was es kostet
Heckenschnitt liegt bei uns bei 6 bis 14 € je laufendem Meter plus 60 bis 140 € An- und Abfahrt, Baumpflege bei 150 bis 380 € je Baum plus 80 bis 160 €. Der Verjüngungsschnitt einer verkahlten Hecke liegt am oberen Rand: Er fällt mehr Material an, und die Entsorgung ist der Posten, der die Spanne macht. Klär vorher, ob das Schnittgut abgefahren wird oder liegen bleibt — das ist der häufigste Nachtrag.
