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Grünflächen24

Ratgeber · 6 Min.

Gehölzschnitt in der Ruhezeit — was Oktober bis Februar geht

Zwischen Oktober und Februar ist erlaubt, was den Rest des Jahres verboten ist: der starke Rückschnitt. Welche Gehölze davon profitieren, welche darunter leiden und wo die Grenze zum Formschnitt verläuft.
Gärtner schneidet eine hohe Hainbuchenhecke mit der Heckenschere auf eine gerade Schnittfläche.
Symbolbild, kein Referenzobjekt.
Beitrag

Die gesetzliche Schonzeit endet am 30. September. Ab dem 1. Oktober dürfen Hecken, Gebüsche und Gehölze wieder auf den Stock gesetzt, stark eingekürzt oder entfernt werden. Das ist für viele Gärten die einzige Gelegenheit im Jahr, einen Rückstand aufzuholen — und sie dauert fünf Monate.

Warum der starke Schnitt in die Ruhezeit gehört

Ein Gehölz ohne Laub verliert beim Schnitt kaum Reserven: Die Nährstoffe sind zu diesem Zeitpunkt in Wurzel und Holz eingelagert, nicht in den Blättern. Dazu kommt, dass ohne Belaubung sichtbar wird, wie der Aufbau tatsächlich aussieht — welche Äste sich reiben, wo Zwiesel sitzen, wo die Hecke von innen verkahlt ist. Wer im Sommer schneidet, arbeitet an der Oberfläche.

Der Gegenspieler ist die Wundheilung. Sie läuft erst ab etwa 5 °C. Bei strengem Dauerfrost wird nicht geschnitten, weil das Holz dann spröde ist und ausreißt. Praktisch heißt das: frostfreie Tage im Oktober, November und ab Februar sind die besten Termine, Januar ist Glückssache.

Was in dieser Zeit sinnvoll ist

  • Verkahlte Hecken verjüngen. Liguster, Hainbuche, Feldahorn, Eibe und Kirschlorbeer treiben aus altem Holz wieder aus. Ein Rückschnitt bis ins mehrjährige Holz ist genau jetzt möglich.
  • Sommerblüher einkürzen. Was am diesjährigen Trieb blüht — Sommerflieder, Rispenhortensie, Blauraute, Spiersträucher — wird im Spätwinter stark zurückgenommen und blüht danach kräftiger.
  • Aufastung und Lichtraum. Überhängende Äste über Wegen und Einfahrten gehören in diese Zeit, nicht in die Brutzeit.
  • Totholz heraus. Bei Laubbäumen ohne Blätter am leichtesten zu erkennen.

Und was ausdrücklich nicht

Nicht jedes Gehölz verträgt den Wintertermin. Frühjahrsblüher wie Forsythie, Zierjohannisbeere, Ranunkelstrauch und Flieder haben ihre Knospen schon angelegt — wer sie jetzt schneidet, schneidet die Blüte weg. Sie kommen unmittelbar nach der Blüte dran. Kirsche, Pflaume und Walnuss bluten im Spätwinter stark und werden besser im Sommer geschnitten. Und Nadelgehölze außer Eibe treiben aus kahlem Holz nicht wieder aus: Was dort ins Braune geschnitten wird, bleibt braun.

Die Grenze zum Formschnitt

Der Unterschied ist keine Frage des Kalenders, sondern der Eingriffstiefe. Ein Formschnitt nimmt den Zuwachs des laufenden Jahres zurück und ist deshalb auch zwischen März und September erlaubt. Alles, was darüber hinausgeht — ins mehrjährige Holz, auf den Stock, halbe Höhe — ist ein Rückschnitt und gehört in die Ruhezeit. Wer unsicher ist: Steht nach dem Schnitt dieselbe Pflanze da, nur ordentlicher, war es ein Formschnitt.

Unabhängig davon gilt § 44 BNatSchG ganzjährig. Auch im Dezember darf kein Winterquartier zerstört werden — Igel unter Reisighaufen, Fledermäuse in Stammhöhlen, Vögel in dichten Immergrünen. Ein Blick hinein gehört vor jeden Ansatz.

Was es kostet

Heckenschnitt liegt bei uns bei 6 bis 14 € je laufendem Meter plus 60 bis 140 € An- und Abfahrt, Baumpflege bei 150 bis 380 € je Baum plus 80 bis 160 €. Der Verjüngungsschnitt einer verkahlten Hecke liegt am oberen Rand: Er fällt mehr Material an, und die Entsorgung ist der Posten, der die Spanne macht. Klär vorher, ob das Schnittgut abgefahren wird oder liegen bleibt — das ist der häufigste Nachtrag.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Darf ich meine Hecke im Winter komplett zurückschneiden?

Zwischen dem 1. Oktober und dem 28./29. Februar ja, sofern kein besetztes Winterquartier betroffen ist. Zwischen dem 1. März und dem 30. September sind nur schonende Form- und Pflegeschnitte erlaubt.

Bei welcher Temperatur sollte nicht geschnitten werden?

Bei strengem Frost unter etwa minus 5 °C. Das Holz ist dann spröde, Schnittflächen reißen aus und die Wundheilung setzt erst bei rund 5 °C wieder ein. Frostfreie Tage im Oktober, November und Februar sind die besten Termine.

Welche Sträucher dürfen im Winter nicht geschnitten werden?

Frühjahrsblüher wie Forsythie, Flieder und Zierjohannisbeere — sie tragen die Knospen bereits. Kirsche, Pflaume und Walnuss bluten stark und werden im Sommer geschnitten. Nadelgehölze außer Eibe treiben aus kahlem Holz nicht wieder aus.

Zum Nachlesen

Vom Wissen zum Angebot

Dieser Beitrag gehört zu Heckenschnitt, Baumpflege, Gartenpflege. Wenn du nach dem Lesen weißt, was zu tun ist, aber nicht, was es kostet: Für jedes Gewerk gibt es einen Kostenrechner, der aus Menge und Erschwernissen eine Spanne ableitet. Sie ist eine Orientierung, kein Angebot — dafür braucht es jemanden, der die Fläche gesehen hat.

Eine Anfrage geht an höchstens drei Fachbetriebe, die das Gewerk anbieten und dein Gebiet tatsächlich bedienen. Deine Kontaktdaten sieht ein Betrieb erst, wenn er die Anfrage angenommen hat. Wir sind nicht Vertragspartner der Leistung und nehmen keine Provision auf deinen Auftrag.

Selbst machen oder machen lassen?

Die Grenze verläuft nicht am Können, sondern am Risiko. Hecke schneiden, Beete pflegen, Rasen mähen — das ist Arbeit, die man sich zutrauen kann und bei der ein Fehler nachwächst. Alles, wobei etwas Schweres fällt oder trägt, ist eine andere Kategorie: Arbeiten in der Baumkrone, Fällungen in der Nähe von Gebäuden, Unterbau für befahrbare Flächen, Grabungen an Leitungen.

Dort ist der Fachbetrieb nicht nur schneller, sondern versichert. Wenn beim Fällen etwas auf ein Dach fällt, entscheidet die Betriebshaftpflicht darüber, wer den Schaden trägt. Bei Eigenleistung trägt ihn die eigene Privathaftpflicht — sofern sie das überhaupt abdeckt, was bei genau diesen Arbeiten häufig nicht der Fall ist.

Die ehrliche Rechnung sieht deshalb anders aus als der Vergleich von Stundensatz und Baumarktmiete. Sie enthält den Fall, in dem etwas schiefgeht.