Vertikutieren hat einen einzigen Zweck: Rasenfilz aufschneiden und herausholen. Filz ist die verfilzte Schicht aus abgestorbenen Halmen und Wurzelresten zwischen Boden und grünem Bewuchs. Sie verhindert, dass Wasser und Luft an die Wurzeln kommen. Hat der Rasen keinen Filz, verletzt Vertikutieren nur die Narbe.
Der Test, der zwei Minuten dauert
Fahr mit dem Fingernagel oder einem Schraubendreher senkrecht durch die Grasnarbe bis auf den Boden und schau dir die Schicht dazwischen an. Weniger als 5 mm braune, schwammige Schicht: kein Vertikutierbedarf. Zwischen 5 und 10 mm: sinnvoll. Über 10 mm: überfällig, und dann wahrscheinlich in zwei Durchgängen über kreuz.
Zweiter Test, genauso wichtig: Gieß einen Eimer Wasser auf eine Stelle. Läuft es innerhalb von Sekunden weg, ist der Boden in Ordnung. Steht es minutenlang, ist nicht Filz das Problem, sondern Verdichtung — und dagegen hilft Vertikutieren nichts. Dagegen hilft Aerifizieren, also das Ausstechen von Bodenkernen, mit anschließendem Besanden.
Was die meisten falsch machen
- Zu tief. Die Messer gehören etwa 2 bis 3 mm in den Boden, nicht 10. Wer die Narbe aufreißt, schafft Platz für Unkraut statt für Gräser.
- Zum falschen Zeitpunkt. Sinnvoll ist April bis Mai und Ende August bis September. Im Hochsommer trocknet die verletzte Narbe aus, im Spätherbst wächst nichts mehr zu.
- Ohne Nachsaat. Nach dem Vertikutieren ist die Fläche offen. Wird nicht nachgesät, besetzen Unkräuter die Lücken — sie sind schneller als Gräser.
- Auf jungem Rasen. Vor dem zweiten Standjahr hat ein Rasen keinen nennenswerten Filz. Vertikutieren kostet ihn dann nur Substanz.
Die richtige Reihenfolge
Kurz mähen auf etwa 2 bis 3 cm, dann vertikutieren, das ausgekämmte Material restlos abharken, nachsäen, startdüngen, gleichmäßig feucht halten. Der letzte Punkt ist der, an dem das Ergebnis entschieden wird: Keimendes Saatgut darf in den ersten zwei bis drei Wochen nicht ein einziges Mal austrocknen. Wer das nicht sicherstellen kann, verschiebt den Termin lieber.
Kalk gehört an dieser Stelle nicht dazu. Er wird oft im selben Atemzug empfohlen, gehört aber nur auf die Fläche, wenn eine Bodenprobe einen zu niedrigen pH-Wert belegt.
Wann sich der Fachbetrieb rechnet
Bis etwa 200 m² ist ein Leihgerät eine überschaubare Rechnung. Darüber wird es körperlich, und die Qualität hängt an der Einstellung der Messertiefe — genau der Punkt, an dem Leihgeräte ungenau sind. Gartenpflege liegt bei uns bei 0,90 bis 2,20 € je m² plus 240 bis 600 € An- und Abfahrt; im Objekt bei 0,80 bis 2,40 € je m². Achte darauf, dass Abtransport und Entsorgung des Vertikutierguts im Angebot stehen. Bei 300 m² kommen schnell mehrere Kubikmeter zusammen.
Zeigt sich beim Test, dass gar kein Filz da ist, sondern die Fläche großflächig ausgefallen ist, ist Vertikutieren die falsche Maßnahme. Dann geht es um die Frage Rasen sanieren oder neu anlegen.
