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Grünflächen24

Ratgeber · 6 Min.

Naturnah anlegen — ohne dass der Pflegeaufwand steigt

Naturnah heißt nicht sich selbst überlassen. Wo der Unterschied zwischen einer funktionierenden Wildstaudenfläche und einer Brachfläche liegt — und welche vier Elemente den größten ökologischen Ertrag pro Quadratmeter bringen.
Zwei Landschaftsgärtner legen ein neues Beet an, daneben eine Schubkarre mit Mutterboden und frisch gesetzte Sträucher.
Symbolbild, kein Referenzobjekt.
Beitrag

Ein naturnaher Garten ist kein ungepflegter Garten. Er ist einer, in dem die Pflege zu anderen Zeiten und mit anderen Zielen stattfindet. Wer das verwechselt, bekommt nach zwei Jahren eine von Brombeere und Goldrute dominierte Fläche — und die ist ökologisch ärmer als der Rasen, den sie ersetzt hat.

Vier Elemente mit dem größten Ertrag

  • Eine magere, sonnige Staudenfläche. Der Ertrag pro Quadratmeter ist bei Wildstauden auf magerem Untergrund am höchsten, weil dort die Artenvielfalt am größten ist. Entscheidend ist der abgemagerte Aufbau: Oberboden abtragen, Sand oder Schotter einmischen. Auf fettem Gartenboden setzen sich wenige starkwüchsige Arten durch, und der Rest verschwindet.
  • Blühende heimische Gehölze. Kornelkirsche, Schlehe, Weißdorn, Felsenbirne, Wildrosen. Sie liefern Blüte im Frühjahr und Früchte im Herbst — beides zu Zeiten, in denen Ziergehölze nichts bieten.
  • Strukturen statt Flächen. Ein Totholzhaufen, ein Steinhaufen an sonniger Stelle, eine offene Sandfläche für bodennistende Wildbienen. Diese Elemente brauchen fast keine Pflege und leisten mehr als jede zusätzliche Blühfläche.
  • Wasser. Schon eine flache Schale mit Ausstiegshilfe ändert den Bestand an Vögeln und Insekten spürbar.

Die Pflege, die es trotzdem braucht

Wildstaudenflächen werden ein- bis zweimal jährlich gemäht, und zwar abschnittsweise: Immer ein Teil bleibt stehen, damit Überwinterungsstrukturen erhalten bleiben. Das Mahdgut wird abgefahren, nicht liegen gelassen — nur so magert die Fläche weiter ab und bleibt artenreich. Wer mulcht, düngt, und gedüngte Wildblumenwiesen verlieren binnen weniger Jahre ihre Arten.

Dazu kommt das gezielte Entfernen dominanter Arten. Goldrute, Brombeere, Ackerkratzdistel und Schilf übernehmen sonst in wenigen Jahren. Das sind zwei bis drei Durchgänge pro Saison, nicht mehr — aber sie entscheiden über das Ergebnis.

Was bewusst unterbleibt

Der Herbstputz. Samenstände, hohle Stängel und Laubschichten sind Winterquartier und Nahrungsquelle; der Rückschnitt gehört ins Frühjahr, vor den Neuaustrieb. Ebenso unterbleibt der nächtliche Dauerbetrieb der Gartenbeleuchtung — Insektenverluste durch Kunstlicht sind erheblich, und eine Zeitschaltuhr kostet nichts.

Und ein Wort zu Saatgut: Regionale Herkünfte sind bei Wildpflanzen keine Etikette, sondern die Bedingung dafür, dass Blühzeitpunkt und Insektenflug zusammenpassen. Billige „Bienenweide“-Mischungen aus dem Baumarkt enthalten oft einjährige, nicht heimische Arten, die im zweiten Jahr verschwunden sind.

Was es kostet

Gartengestaltung liegt bei uns bei 55 bis 160 € je m² plus 600 bis 1.800 €. Eine naturnahe Anlage ist in der Herstellung nicht günstiger — das Abmagern des Bodens ist ein eigener Arbeitsgang mit Abfuhr. Sie ist im Unterhalt günstiger, weil ein- bis zweimal Mahd im Jahr weniger kostet als vierzehn Mähgänge. Die Rechnung dreht sich üblicherweise im dritten Jahr. Welche Entscheidungen den Pflegeaufwand sonst bestimmen, steht unter pflegeleichter Garten.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Ist ein naturnaher Garten pflegeleichter?

Im Unterhalt ja, aber nicht pflegefrei. Statt wöchentlichem Mähen fallen ein bis zwei abschnittsweise Mahdgänge im Jahr an, dazu zwei bis drei Durchgänge gegen dominante Arten. Ohne diese Eingriffe entsteht eine artenarme Brache.

Warum muss das Mahdgut abgefahren werden?

Liegen gelassenes Material düngt die Fläche. Wildstauden brauchen magere Bedingungen — auf nährstoffreichem Boden setzen sich wenige starkwüchsige Arten durch und verdrängen den Rest.

Taugen Blühmischungen aus dem Baumarkt?

Meist nur für eine Saison. Sie enthalten häufig einjährige, nicht heimische Arten. Dauerhaft wirksam sind mehrjährige Wildpflanzen mit regionaler Herkunft, weil Blühzeitpunkt und Insektenflug zusammenpassen.

Zum Nachlesen

Vom Wissen zum Angebot

Dieser Beitrag gehört zu Gartengestaltung, Gartenpflege, Begrünung. Wenn du nach dem Lesen weißt, was zu tun ist, aber nicht, was es kostet: Für jedes Gewerk gibt es einen Kostenrechner, der aus Menge und Erschwernissen eine Spanne ableitet. Sie ist eine Orientierung, kein Angebot — dafür braucht es jemanden, der die Fläche gesehen hat.

Eine Anfrage geht an höchstens drei Fachbetriebe, die das Gewerk anbieten und dein Gebiet tatsächlich bedienen. Deine Kontaktdaten sieht ein Betrieb erst, wenn er die Anfrage angenommen hat. Wir sind nicht Vertragspartner der Leistung und nehmen keine Provision auf deinen Auftrag.

Selbst machen oder machen lassen?

Die Grenze verläuft nicht am Können, sondern am Risiko. Hecke schneiden, Beete pflegen, Rasen mähen — das ist Arbeit, die man sich zutrauen kann und bei der ein Fehler nachwächst. Alles, wobei etwas Schweres fällt oder trägt, ist eine andere Kategorie: Arbeiten in der Baumkrone, Fällungen in der Nähe von Gebäuden, Unterbau für befahrbare Flächen, Grabungen an Leitungen.

Dort ist der Fachbetrieb nicht nur schneller, sondern versichert. Wenn beim Fällen etwas auf ein Dach fällt, entscheidet die Betriebshaftpflicht darüber, wer den Schaden trägt. Bei Eigenleistung trägt ihn die eigene Privathaftpflicht — sofern sie das überhaupt abdeckt, was bei genau diesen Arbeiten häufig nicht der Fall ist.

Die ehrliche Rechnung sieht deshalb anders aus als der Vergleich von Stundensatz und Baumarktmiete. Sie enthält den Fall, in dem etwas schiefgeht.