Ein naturnaher Garten ist kein ungepflegter Garten. Er ist einer, in dem die Pflege zu anderen Zeiten und mit anderen Zielen stattfindet. Wer das verwechselt, bekommt nach zwei Jahren eine von Brombeere und Goldrute dominierte Fläche — und die ist ökologisch ärmer als der Rasen, den sie ersetzt hat.
Vier Elemente mit dem größten Ertrag
- Eine magere, sonnige Staudenfläche. Der Ertrag pro Quadratmeter ist bei Wildstauden auf magerem Untergrund am höchsten, weil dort die Artenvielfalt am größten ist. Entscheidend ist der abgemagerte Aufbau: Oberboden abtragen, Sand oder Schotter einmischen. Auf fettem Gartenboden setzen sich wenige starkwüchsige Arten durch, und der Rest verschwindet.
- Blühende heimische Gehölze. Kornelkirsche, Schlehe, Weißdorn, Felsenbirne, Wildrosen. Sie liefern Blüte im Frühjahr und Früchte im Herbst — beides zu Zeiten, in denen Ziergehölze nichts bieten.
- Strukturen statt Flächen. Ein Totholzhaufen, ein Steinhaufen an sonniger Stelle, eine offene Sandfläche für bodennistende Wildbienen. Diese Elemente brauchen fast keine Pflege und leisten mehr als jede zusätzliche Blühfläche.
- Wasser. Schon eine flache Schale mit Ausstiegshilfe ändert den Bestand an Vögeln und Insekten spürbar.
Die Pflege, die es trotzdem braucht
Wildstaudenflächen werden ein- bis zweimal jährlich gemäht, und zwar abschnittsweise: Immer ein Teil bleibt stehen, damit Überwinterungsstrukturen erhalten bleiben. Das Mahdgut wird abgefahren, nicht liegen gelassen — nur so magert die Fläche weiter ab und bleibt artenreich. Wer mulcht, düngt, und gedüngte Wildblumenwiesen verlieren binnen weniger Jahre ihre Arten.
Dazu kommt das gezielte Entfernen dominanter Arten. Goldrute, Brombeere, Ackerkratzdistel und Schilf übernehmen sonst in wenigen Jahren. Das sind zwei bis drei Durchgänge pro Saison, nicht mehr — aber sie entscheiden über das Ergebnis.
Was bewusst unterbleibt
Der Herbstputz. Samenstände, hohle Stängel und Laubschichten sind Winterquartier und Nahrungsquelle; der Rückschnitt gehört ins Frühjahr, vor den Neuaustrieb. Ebenso unterbleibt der nächtliche Dauerbetrieb der Gartenbeleuchtung — Insektenverluste durch Kunstlicht sind erheblich, und eine Zeitschaltuhr kostet nichts.
Und ein Wort zu Saatgut: Regionale Herkünfte sind bei Wildpflanzen keine Etikette, sondern die Bedingung dafür, dass Blühzeitpunkt und Insektenflug zusammenpassen. Billige „Bienenweide“-Mischungen aus dem Baumarkt enthalten oft einjährige, nicht heimische Arten, die im zweiten Jahr verschwunden sind.
Was es kostet
Gartengestaltung liegt bei uns bei 55 bis 160 € je m² plus 600 bis 1.800 €. Eine naturnahe Anlage ist in der Herstellung nicht günstiger — das Abmagern des Bodens ist ein eigener Arbeitsgang mit Abfuhr. Sie ist im Unterhalt günstiger, weil ein- bis zweimal Mahd im Jahr weniger kostet als vierzehn Mähgänge. Die Rechnung dreht sich üblicherweise im dritten Jahr. Welche Entscheidungen den Pflegeaufwand sonst bestimmen, steht unter pflegeleichter Garten.
