Begrünte Fassaden kühlen im Sommer, dämpfen Lärm, binden Feinstaub und verlängern nachweislich die Lebensdauer des darunterliegenden Putzes, weil sie Schlagregen und UV-Strahlung abhalten. Sie tun das nur, wenn System und Fassade zueinander passen — und daran scheitert es häufiger als an der Pflanze.
Die drei Varianten
- Bodengebunden mit Selbstklimmern. Efeu, Wilder Wein, Kletterhortensie halten sich mit Haftwurzeln oder Haftscheiben selbst. Kein Gerüst, geringste Kosten. Voraussetzung ist ein intakter, tragfähiger Putz ohne Risse — in Risse und offene Fugen wachsen Haftwurzeln ein und weiten sie. Auf Wärmedämmverbundsystemen sind Selbstklimmer in der Regel nicht geeignet.
- Bodengebunden mit Rankhilfe. Seilsysteme, Gitter oder Spaliere mit Abstand zur Wand, bepflanzt mit Schlingern und Rankern — Blauregen, Clematis, Geißblatt, Kletterrose, Hopfen. Die Fassade bleibt unberührt und zugänglich, die Konstruktion muss die Last tragen. Das ist die Variante, die für die meisten Gebäude passt.
- Wandgebunden. Ein System aus Pflanztaschen, Modulen oder Substratträgern direkt an der Wand, mit eigener Bewässerung und Nährstoffversorgung. Optisch das stärkste Ergebnis, technisch eine Gebäudeinstallation — mit Wartungsvertrag, Wasseranschluss und Ausfallrisiko bei Störung.
Was die Fassade mitbringen muss
Vor jeder Entscheidung steht die Prüfung des Untergrunds: Putzzustand, Risse, Dämmsystem, Verankerungsmöglichkeit, Fenster- und Lüftungsöffnungen, Dachüberstand. Bei Rankhilfen kommt die statische Frage dazu — eine ausgewachsene Blauregenpflanze entwickelt erhebliche Zug- und Druckkräfte, und dünne Seilsysteme sind ihr nicht gewachsen.
Bei Mietobjekten und Wohnungseigentum ist die Zustimmung des Eigentümers beziehungsweise der Gemeinschaft erforderlich. In Gebieten mit Gestaltungssatzung oder bei denkmalgeschützten Gebäuden kann eine Genehmigung nötig sein.
Pflege, ehrlich gerechnet
Bodengebundene Begrünung braucht einen jährlichen Schnitt — Fenster, Dachrinnen, Rollladenkästen und Lüftungsgitter freihalten. Das ist überschaubar, muss aber verlässlich passieren; eine Efeufassade, die drei Jahre unbehandelt bleibt, wächst unter die Dachziegel. Wandgebundene Systeme brauchen eine funktionierende Bewässerung und regelmäßige Kontrolle; fällt die Technik im Hochsommer aus, ist die Wand in Tagen verloren.
Kosten und Förderung
Dach- und Fassadenbegrünung liegt bei uns bei 45 bis 130 € je m² plus 500 bis 1.400 € Grundbetrag. Die Spanne bildet genau den Unterschied zwischen einer Rankhilfe und einem wandgebundenen System nicht vollständig ab — wandgebundene Systeme liegen regelmäßig deutlich darüber und werden objektbezogen kalkuliert.
Viele Städte fördern Fassadenbegrünung mit Zuschüssen, teils zusätzlich über eine reduzierte Niederschlagswassergebühr. Die Programme sind kommunal und ändern sich; der Antrag muss fast immer vor Baubeginn gestellt werden. Was für Dachflächen gilt, steht unter Dachbegrünung: Kosten und Förderung.
