Zum Inhalt springen
Kostenlos & unverbindlich
Grünflächen24

Ratgeber · 6 Min.

Dachbegrünung: Aufbau, Kosten und wo es Geld dafür gibt

Ein extensives Gründach kostet 45 bis 90 € pro Quadratmeter — und viele Kommunen zahlen einen Teil davon. Was der Aufbau leisten muss und welche Fragen vor dem Angebot geklärt sein sollten.
Begrüntes Flachdach mit blühendem Sedum und Gräsern, am Rand ein Kiesstreifen als Entwässerung.
Symbolbild, kein Referenzobjekt.
Beitrag

Ein Gründach ist kein Gartenprojekt, sondern ein Bauteil. Es liegt auf der Abdichtung, es bringt Last auf die Konstruktion und es muss Wasser sicher ableiten. Deshalb steht am Anfang nicht die Pflanzenauswahl, sondern die Statik.

Extensiv oder intensiv

Extensiv heißt: 6 bis 15 cm Substrat, Sedum, Moose und Kräuter, ein bis zwei Pflegegänge im Jahr, kein Betreten. Gesättigt bringt der Aufbau 80 bis 150 kg/m² auf die Konstruktion. Das ist die übliche Variante für Garagen, Carports und Flachdächer im Wohnungsbau.

Intensiv heißt: ab 25 cm Substrat, Stauden, Sträucher, teils kleine Bäume, begehbar. Gesättigt 300 kg/m² und deutlich mehr. Das ist ein Dachgarten und braucht eine dafür ausgelegte Konstruktion — nachträglich fast nie machbar.

Der Schichtaufbau

Von unten nach oben, nach FLL-Dachbegrünungsrichtlinie:

  • Abdichtung — muss wurzelfest sein. Ist sie es nicht, kommt eine separate Wurzelschutzbahn darüber.
  • Schutzlage — schützt die Abdichtung mechanisch beim Einbau.
  • Dränschicht — führt Überschusswasser ab und speichert gleichzeitig einen Teil.
  • Filtervlies — hält Substratfeinteile aus der Dränung.
  • Substrat — mineralisch, kein Gartenboden. Gartenerde sackt zusammen und verschlämmt die Dränung.
  • Vegetation — Ansaat, Sprossen oder fertige Vegetationsmatte.

Dazu kommen Kiesstreifen an Rändern und Aufbauten sowie Kontrollschächte über den Abläufen. Beide sind keine Kür: Ohne freie Abläufe steht das Wasser auf dem Dach.

Kosten

  • Extensiv, Neubau, gute Zugänglichkeit: 45 – 75 €/m²
  • Extensiv, Bestand, Material über Treppe: 65 – 100 €/m²
  • Intensiv: ab 120 €/m², nach oben offen
  • Fassade, bodengebunden mit Rankhilfe: 60 – 150 €/m²
  • Fassade, wandgebunden mit Bewässerungstechnik: 400 – 900 €/m²

Der Unterschied zwischen Neubau und Bestand ist fast vollständig Logistik. Wenn ein Kran das Substrat aufs Dach heben kann, ist es günstig. Wenn es in Säcken über eine Innentreppe muss, wird es teuer.

Förderung

Es gibt kein bundesweites Programm, dafür sehr viele kommunale. Verbreitet sind Zuschüsse von 15 bis 50 € pro Quadratmeter oder eine anteilige Förderung von 30 bis 50 Prozent der Baukosten, oft gedeckelt. Zusätzlich reduzieren viele Städte die gesplittete Niederschlagswassergebühr für begrünte Flächen dauerhaft — das ist über zwanzig Jahre gerechnet oft der größere Posten als der einmalige Zuschuss.

Zwei Dinge sind bei fast allen Programmen gleich: Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt sein, und es gibt keinen Rechtsanspruch. Erst Antrag, dann Auftrag.

Was vor dem Angebot geklärt sein muss

  • Trägt die Konstruktion die zusätzliche Last? Bei Bestandsgebäuden ohne Nachweis: Statiker.
  • Ist die vorhandene Abdichtung wurzelfest und dicht? Eine Leckortung vorher ist billiger als ein Rückbau nachher.
  • Wie kommt das Material aufs Dach?
  • Gibt es ein kommunales Förderprogramm, und wie ist die Antragsfrist?
Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Kann man eine Garage nachträglich begrünen?

In den meisten Fällen ja — Garagendächer sind oft für Schneelast ausgelegt und tragen einen extensiven Aufbau. Ein statischer Nachweis gehört trotzdem dazu.

Wie viel Pflege braucht ein Gründach wirklich?

Extensiv ein bis zwei Gänge im Jahr: Anflugkeimlinge und Gehölzsämlinge entfernen, Abläufe kontrollieren, alle paar Jahre nachdüngen. Der Punkt, an dem es teuer wird, sind zugewachsene Abläufe.

Zum Nachlesen

Vom Wissen zum Angebot

Dieser Beitrag gehört zu Begrünung. Wenn du nach dem Lesen weißt, was zu tun ist, aber nicht, was es kostet: Für jedes Gewerk gibt es einen Kostenrechner, der aus Menge und Erschwernissen eine Spanne ableitet. Sie ist eine Orientierung, kein Angebot — dafür braucht es jemanden, der die Fläche gesehen hat.

Eine Anfrage geht an höchstens drei Fachbetriebe, die das Gewerk anbieten und dein Gebiet tatsächlich bedienen. Deine Kontaktdaten sieht ein Betrieb erst, wenn er die Anfrage angenommen hat. Wir sind nicht Vertragspartner der Leistung und nehmen keine Provision auf deinen Auftrag.

Selbst machen oder machen lassen?

Die Grenze verläuft nicht am Können, sondern am Risiko. Hecke schneiden, Beete pflegen, Rasen mähen — das ist Arbeit, die man sich zutrauen kann und bei der ein Fehler nachwächst. Alles, wobei etwas Schweres fällt oder trägt, ist eine andere Kategorie: Arbeiten in der Baumkrone, Fällungen in der Nähe von Gebäuden, Unterbau für befahrbare Flächen, Grabungen an Leitungen.

Dort ist der Fachbetrieb nicht nur schneller, sondern versichert. Wenn beim Fällen etwas auf ein Dach fällt, entscheidet die Betriebshaftpflicht darüber, wer den Schaden trägt. Bei Eigenleistung trägt ihn die eigene Privathaftpflicht — sofern sie das überhaupt abdeckt, was bei genau diesen Arbeiten häufig nicht der Fall ist.

Die ehrliche Rechnung sieht deshalb anders aus als der Vergleich von Stundensatz und Baumarktmiete. Sie enthält den Fall, in dem etwas schiefgeht.