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Grünflächen24

Ratgeber · 6 Min.

Kronenschnitt am Baum — Zeitpunkt, Maß und Grenzen

Ein Baum verträgt weniger Schnitt, als die meisten annehmen. Was ein fachgerechter Kronenschnitt umfasst, warum Kappen den Baum ruiniert und welcher Monat für welchen Eingriff richtig ist.
Baumpfleger am Seil setzt einen Pflegeschnitt in der belaubten Krone eines alten Laubbaums.
Symbolbild, kein Referenzobjekt.
Beitrag

Bäume haben kein Wundgewebe im eigentlichen Sinn. Sie können eine Schnittstelle nicht heilen, nur abschotten und überwallen. Daraus folgt alles Weitere: Je größer die Wunde, desto länger bleibt sie offen, und desto wahrscheinlicher setzt sich ein holzzersetzender Pilz fest. Ein guter Kronenschnitt ist deshalb einer, der mit wenigen und kleinen Schnitten auskommt.

Was hinter den Begriffen steckt

  • Totholzentnahme. Abgestorbene Äste heraus. Der harmloseste Eingriff, ganzjährig möglich, in Bezug auf die Verkehrssicherheit meist der wichtigste.
  • Lichtraumprofil. Aufastung über Weg, Einfahrt oder Straße. Üblich sind 2,50 m über Gehwegen und 4,50 m über Fahrbahnen; maßgeblich ist die kommunale Satzung.
  • Kronenauslichtung. Einzelne Äste im Inneren entnehmen, um Wind und Licht durchzulassen. Wird häufig überzogen — mehr als etwa ein Fünftel der Blattmasse in einem Durchgang schwächt den Baum.
  • Kroneneinkürzung. Ableiten auf tiefer sitzende Seitenäste, nicht Absägen auf Stummel. Der Unterschied ist der zwischen Fachbetrieb und Baumfrevel.
  • Kronensicherung. Ein Gurtsystem zwischen gefährdeten Stämmlingen. Oft die Alternative zur Fällung bei bruchgefährdeten Zwieseln.

Warum Kappen den Baum zerstört

Beim Kappen werden Starkäste ohne Rücksicht auf Verzweigungen auf Stummel gesägt. Was danach austreibt, sind Notschosser: schnell wachsende Triebe, die nur oberflächlich im Restholz verankert sind. Nach wenigen Jahren steht ein Baum da, der größer aussieht als vorher und dessen Äste bei Sturm an genau dieser Stelle ausbrechen. Gleichzeitig faulen die großen Kappstellen von oben nach unten durch. Gekappte Bäume sind teurer im Unterhalt und enden regelmäßig als Fällung.

Der richtige Monat

Für die meisten Laubbäume ist der Spätwinter bis zeitige Frühjahr die beste Zeit: Der Aufbau ist ohne Laub sichtbar, die Reserven stecken im Holz, und die einsetzende Vegetation überwallt die Schnittstellen zügig. Ausnahmen sind die Blutungsempfindlichen — Birke, Ahorn, Walnuss, Hainbuche und die Steinobstarten Kirsche und Pflaume. Sie werden im Sommer nach dem Austrieb geschnitten, bei Steinobst am besten unmittelbar nach der Ernte.

Totholz darf ganzjährig heraus. Alles, was darüber hinausgeht, fällt in der Zeit vom 1. März bis 30. September unter die Einschränkungen des § 39 BNatSchG, sobald es den Zuwachs übersteigt — und unabhängig davon gilt § 44 bei besetzten Nestern und Höhlen.

Was ins Angebot gehört

Ein belastbares Angebot benennt den Eingriff mit Fachbegriff, nicht mit „Baum stutzen“. Dazu gehören die Zugangsart (Hubsteiger oder Seilklettertechnik), ob abgeseilt werden muss, die Entsorgung des Schnittguts und die Frage, ob eine Genehmigung nötig ist — viele Baumschutzsatzungen erfassen auch starke Rückschnitte, nicht nur Fällungen.

Baumpflege liegt bei uns bei 150 bis 380 € je Baum plus 80 bis 160 € An- und Abfahrt. Ob der Baum überhaupt noch tragfähig ist, klärt vorher die Kontrolle — die Warnzeichen stehen unter Ist der Baum noch sicher.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie viel darf von einer Baumkrone entfernt werden?

Als Orientierung gilt maximal ein Fünftel der Blattmasse in einem Durchgang, bei alten Bäumen weniger. Wer mehr entnimmt, zwingt den Baum zu Notaustrieb und schwächt ihn dauerhaft.

Was ist der Unterschied zwischen Einkürzen und Kappen?

Beim Einkürzen wird auf einen vorhandenen Seitenast abgeleitet, der die Versorgung übernimmt. Beim Kappen wird auf einen Stummel gesägt. Kappstellen faulen durch, und der Notaustrieb bricht später aus.

Welche Bäume dürfen im Winter nicht geschnitten werden?

Blutungsempfindliche Arten wie Birke, Ahorn, Walnuss und Hainbuche sowie Kirsche und Pflaume. Sie werden im Sommer geschnitten, Steinobst am besten direkt nach der Ernte.

Zum Nachlesen

Vom Wissen zum Angebot

Dieser Beitrag gehört zu Baumpflege, Objektpflege, Baumfällung. Wenn du nach dem Lesen weißt, was zu tun ist, aber nicht, was es kostet: Für jedes Gewerk gibt es einen Kostenrechner, der aus Menge und Erschwernissen eine Spanne ableitet. Sie ist eine Orientierung, kein Angebot — dafür braucht es jemanden, der die Fläche gesehen hat.

Eine Anfrage geht an höchstens drei Fachbetriebe, die das Gewerk anbieten und dein Gebiet tatsächlich bedienen. Deine Kontaktdaten sieht ein Betrieb erst, wenn er die Anfrage angenommen hat. Wir sind nicht Vertragspartner der Leistung und nehmen keine Provision auf deinen Auftrag.

Selbst machen oder machen lassen?

Die Grenze verläuft nicht am Können, sondern am Risiko. Hecke schneiden, Beete pflegen, Rasen mähen — das ist Arbeit, die man sich zutrauen kann und bei der ein Fehler nachwächst. Alles, wobei etwas Schweres fällt oder trägt, ist eine andere Kategorie: Arbeiten in der Baumkrone, Fällungen in der Nähe von Gebäuden, Unterbau für befahrbare Flächen, Grabungen an Leitungen.

Dort ist der Fachbetrieb nicht nur schneller, sondern versichert. Wenn beim Fällen etwas auf ein Dach fällt, entscheidet die Betriebshaftpflicht darüber, wer den Schaden trägt. Bei Eigenleistung trägt ihn die eigene Privathaftpflicht — sofern sie das überhaupt abdeckt, was bei genau diesen Arbeiten häufig nicht der Fall ist.

Die ehrliche Rechnung sieht deshalb anders aus als der Vergleich von Stundensatz und Baumarktmiete. Sie enthält den Fall, in dem etwas schiefgeht.