Wenn drei Betriebe dasselbe Projekt ansehen und sich die Endsummen um 40 Prozent unterscheiden, liegt der Unterschied fast nie in der Marge. Er liegt in dem, was jeweils drinsteht — und das lässt sich in einer halben Stunde prüfen.
Erst gleiche Grundlage schaffen
Der häufigste Fehler passiert vor dem Angebot: Jeder Betrieb bekommt eine leicht andere Aufgabe beschrieben und kalkuliert entsprechend etwas anderes. Wer vergleichbare Angebote will, gibt allen dieselbe schriftliche Grundlage — Fläche, Zustand, gewünschte Leistungen, Termin, und was ausdrücklich nicht dazugehört.
Die Prüfliste
Sind Mengen und Einheiten angegeben? „Pflasterarbeiten pauschal 12.400 €" ist keine Kalkulation, sondern eine Zahl. Vergleichbar wird es erst mit m², lfm, Stück und Einheitspreisen.
Ist die Entsorgung enthalten? Aushub, Schnittgut, alter Belag. Bei größeren Projekten der zweitgrößte Posten und der, der am häufigsten fehlt.
Sind An- und Abfahrt, Rüstzeit und Gerätemiete drin? Besonders bei Kran, Hubsteiger und Bagger.
Steht ein Termin drin? Ein Angebot ohne Ausführungszeitraum ist eine Absichtserklärung. Bei Betrieben, die drei Monate ausgebucht sind, gehört das Startdatum verbindlich ins Papier.
Gewährleistung und Versicherung? Fünf Jahre bei Bauleistungen nach BGB, zwei bei Pflanzarbeiten sind üblich. Die Deckungssumme der Betriebshaftpflicht sollte im Angebot stehen — bei Baum- und Erdarbeiten ist das keine Formalie.
Wie sind die Zahlungsbedingungen? Abschlagszahlungen nach Baufortschritt sind normal. Vollständige Vorkasse ist es nicht.
Die zwei Fragen, die am meisten verraten
Ruf jeden Betrieb an und stell zwei Fragen: Was ist in Ihrem Angebot nicht enthalten? und Was könnte bei diesem Projekt teurer werden, als Sie kalkuliert haben?
Die erste Frage bringt die Lücken ans Licht. Die zweite trennt Erfahrung von Optimismus — wer ein Projekt wirklich durchdacht hat, kennt seine Risiken und benennt sie. Wer sagt „Da kann nichts kommen", hat entweder nicht hingesehen oder sagt es nicht.
Wann das günstigste Angebot richtig ist
Öfter, als man denkt. Wenn alle drei Angebote dieselben Positionen mit denselben Mengen enthalten und ein Betrieb ist günstiger, dann ist er günstiger — weil er näher wohnt, weil eine Maschine gerade frei ist, weil er die Auslastung braucht. Der Preisunterschied ist erst dann ein Warnsignal, wenn er sich nicht aus den Positionen erklären lässt.